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Gefahrguteinsatz A29

Einsatz: 15. Oktober 2019 - 12:34 Uhr bis 4:30 Uhr
 

Am Dienstagmittag wurden wir zu einem schweren Gefahrguteinsatz auf der A29 in Fahrtrichtung Osnabrück, kurz hinter der Anschlussstelle Großenkneten, alarmiert. Ein LKW war auf dem Weg aus Richtung Osnabrück in Richtung Oldenburg, als er in Folge eines Unfalles die Leitplanke durchbrach und auf die Gegenfahrbahn geriet. Dort fiel er auf die Seite und versperrte die gesamte Fahrbahn. Der Unfall passierte bereits gegen 11.35 Uhr, der Fahrer konnte ohne die Feuerwehr befreit werden und war bei unserem Eintreffen schon auf dem Weg in ein Krankenhaus. Da die Polizei bei der Überprüfung des Containers feststellte, dass der LKW Fässer geladen hat mit der Aufschrift „Isocyanat“, wurde ein Gefahrguteinsatz ausgelöst. Bei dem Auflieger handelte es sich um einen Seecontainer, der insgesamt 21 Tonnen in 250kg-Fässern geladen hatte. 

 

Zeitgleich mit uns wurden die Feuerwehren Sage und der Messtrupp des ABC-Zuges der Feuerwehr Haarentor aus Oldenburg alarmiert. Aus Ganderkesee kam der Gefahrgut-Zug des Landkreises Oldenburg, der Gerätewagen Atemschutz sowie der ELW 2. Außerdem wurden mehrere Fahrzeuge des Rettungsdienstes alarmiert. Kurz nach unserem Eintreffen wurde die Feuerwehr Huntlosen alarmiert sowie im weiteren Verlauf des Einsatzes die Feuerwehr Großenkneten.

 

Hinter einer Absperrgrenze, die sich ca. 200 Meter von dem LKW entfernt befand, begannen wir mit dem Aufbau der Einsatzstelle. Bei unserem Eintreffen rüsteten wir unverzüglich einen Trupp mit Atemschutz und sogenannten Chemikalien-Schutz-Anzügen (CSA) aus, damit dieser sich auf den Weg zum verunglückten LKW machen konnte und sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Der dreifache Brandschutz wurde sichergestellt. 

Währenddessen baute der Dekon-Zug seine Dekontaminationsstelle an der Absperrgrenze unter anderem mit einer Dusche, Folien, einem Zelt und Sitzmöglichkeiten auf. 

In der Zwischenzeit gestaltete sich die Erkundung schwierig, es war nicht möglich, detaillierte Informationen über den Stoff zu erhalten, da sich die Ladepapiere im Führerhaus befanden und dieses nur schwer zugänglich waren. Bei der Erkundung konnte jedoch eindeutig festgestellt werden, dass aus dem LKW eine Flüssigkeit austrat.

Von der zuständigen Firma des LKWs erhielten wir über die Polizei nach über einer Stunde Informationen über die Beladung, wobei sich die erste Meldung bestätigte, dass es sich dabei um Isocyanate handelt. Daraufhin telefonierten wir mit der zuständigen Werkfeuerwehr der Hersteller-Firma, die uns umfassend beriet und sofort einen Mitarbeiter auf den Weg zur Einsatzstelle schickte, um vor Ort mit uns weitere Entscheidungen zu treffen. Da nicht klar war, in welcher Konzentration diese Chemikalien auf dem LKW verladen waren, zogen wir uns unverzüglich von dem LKW zurück. Bereits zu dem Zeitpunkt war absehbar, dass sich der Einsatz über mehrere Stunden ziehen wird, daher wurde die Feuerwehr Wildeshausen alarmiert, um mehr CSA-Anzüge und Träger vor Ort zu haben. Das Gleiche galt für die Feuerwehr Wardenburg, außerdem musste diese uns bei der Sicherstellung des Brandschutzes unterstützen.

 

Aufgrund des großen Aufkommens der Rettungskräfte wurde die Einsatzstelle in zwei Abschnitte aufgeteilt, den Abschnitt Nord sowie den Abschnitt Süd. Im Bereich Süd wurde ein Sicherheitsabstand zum LKW aufgrund der günstigen Windrichtung von 250 Metern eingehalten, im Bereich Nord betrug der Sicherheitsabstand 800 Meter. Alle Zivilpersonen, die sich in diesem Bereich befanden, mussten ihre Fahrzeuge verlassen und diese vorerst an der Einsatzstelle stehen lassen.

In beiden Bereichen wurde eine Dekon- Einheit aufgebaut, im Bereich Nord wurde der Brandschutz von der Feuerwehr Wardenburg sichergestellt.  Im südlichen Bereich wurde die Dekontamination vorwiegend für die Rettungskräfte durchgeführt, im nördlichen Bereich für die Polizisten und die Ersthelfer.

 

Die Einsatzleitung lag während des Einsatzes bei dem Ortsbrandmeister der Feuerwehr Ahlhorn und wurde vom ELW1 koordiniert. Der ABC-Zug aus Oldenburg übernahm vor Ort die Messung der Luft, des Windes und der Schadstoffbelastung. Der ELW 2 übernahm die Verwaltung des Rettungsdienstes sowie die inzwischen alarmierte SEG, um eine Verpflegung in Form von Getränken und Essen zu organisieren. Des Weiteren bereitete die SEG sich auf eine möglicherweise große Anzahl an Verletzten vor.

 

Da der LKW quer auf der Fahrbahn lag, mit dem Heck in der Berme und dem Führerhaus in der Leitplanke, konnten keine Warntafeln und Kennzeichnungen gesichtet werden, die eventuell weitere Informationen über die Ladung gegeben hätten. Ein Polizeihubschrauber flog über die Einsatzstelle, um einen Gesamtüberblick über diese zu bekommen und nähere Informationen über den Seecontainer (Stoffnummern, Containernummer) zu erhalten. Diese Bilder wurden zum ELW 1 der Feuerwehr Ahlhorn geschickt. Es war jedoch nicht möglich, über diesen Weg genauere Informationen zu dem Stoff zu bekommen, sodass wir uns ausschließlich auf die Ladepapiere verlassen mussten. Zu dem Zeitpunkt, ca. 16 Uhr, wurde außerdem eine Drohne von den Maltesern zur Einsatzstelle alarmiert, um permanent Aufnahmen aus der Luft machen zu können. Durch die Leitstelle wurde eine Warnung über die Radiosender sowie die App „Katwarn“ an die Bevölkerung rausgegeben. Personen, die mit dem Stoff in Berührung gekommen sind oder im Stau standen, sollten sich mit einem Arzt in Verbindung setzen. An der Einsatzstelle befanden sich zu der Zeit außerdem mehrere Personen, die Atemwegsbeschwerden äußerten.  

 

Während des laufenden Gefahrguteinsatzes wurde der ELW 1 von der Leitstelle über einen schweren Verkehrsunfall informiert, welcher sich im Rückstau in Richtungsfahrbahn Oldenburg auf der A29 ereignete. Sofort wurde das HLF der Feuerwehr Ahlhorn, der Rüstwagen der Feuerwehr Wardenburg sowie das HLF von Großenkneten aus dem Gefahrguteinsatz rausgezogen und zu der Einsatzstelle geschickt. Detaillierte Informationen zu diesem Einsatz stehen in einem separaten Einsatzbericht.

 

Der Einsatz zog sich insgesamt über viele Stunden, da viele Fachpersonen eine lange Anfahrt zur Einsatzstelle hatten und es mehrere ausführliche Lagebesprechungen gab. Die meiste Zeit war nicht sicher, wie gefährlich die Substanz der geladenen Fässer wirklich ist. In der Zwischenzeit wurde von den Feuerwehrkräften alles vorbereitet, um den Stoff aufzufangen, ein ausbreiten zu verhindern und eine mögliche Bergung der Ladung durchführen zu können.

 

Nach dem Eintreffen der zuständigen Werkfeuerwehr der Chemie-Firma und deren Erkundung kam es zu einer erneuten Lagebesprechung, wobei das weitere Vorgehen besprochen wurde. Bei der Erkundung stellte sich heraus, dass die Konzentration der geladenen Isocyanate nicht so hoch war, wie zuerst befürchtet wurde. Dieses ergab sich durch Messungen und Proben des ausgelaufenen Stoffes, welche von einem extra alarmierten Fahrzeug der Feuerwehr Leer vor Ort ausgewertet wurden. Die Grenze wurde auf 100 Meter reduziert und alles wurde vorbereitet, um den LKW mit Hilfe eines Kranes zu bergen. Gegen 0.30 Uhr wurde die Bergung eingeleitet und für die Rettungskräfte spitzte sich die Lage noch einmal zu, da immer noch nicht klar war, wie viel Ladung letztendlich beschädigt war. Auch die Bergungsfirma wurde bei der Bergung mit Atemschutzmasken und Schutzkleidung ausgerüstet. Während des Aufrichtens des LKWs kam es dann tatsächlich zu einem größeren Austritt des Gefahrstoffes. Da dieser jedoch beim Austreten nicht reagierte, bestätigte es sich, dass die Konzentration gering war. Ein Trupp unter Atemschutz und Schutzanzügen stellte Auffangwannen auf, um die austretende Flüssigkeit größtenteils aufzufangen. Insgesamt waren nur wenige Fässer beschädigt. Nachdem der LKW vollständig aufgerichtet war, wurde er so weit wie möglich auf die Fahrbahn gezogen und so abgestellt, dass keine Flüssigkeit mehr austreten konnte. Die Fläche wurde außerdem mit Folie ausgelegt und es wurde so sichergestellt, dass sich kein Gefahrstoff weiter ausbreiten konnte. Anschließend wurde die Einsatzstelle zurückgebaut und an die Polizei übergeben. Um 3.30 Uhr verließen die letzten Einsatzkräfte die Autobahn, die endgültige Bergung des LKW übernahm am Folgetag eine Spezialfirma.

 

Sowohl der Regierungsbrandmeister aus Niedersachsen, als auch der Kreisbrandmeister, der Stadtbrandmeister aus Oldenburg, der Bürgermeister der Gemeinde Großenkneten und die Leitung des Ordnungsamtes waren vor Ort. Wir wurden unterstützt von zahlreichen Fachpersonen, die uns bei der erfolgreichen Bewältigung des Einsatzes unterstützten. Auch die Polizei war permanent unterstützend tätig. Zahlreiche Feuerwehrleute waren 15 Stunden auf der Autobahn im Einsatz, gefolgt von der Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge. Wir haben den Ablauf und die Kommunikation untereinander sowie mit der Leitstelle als sehr konstruktiv empfunden. Trotz der angespannten Lage, da wir fast zehn Stunden von einem gefährlichen Stoff ausgegangen sind, herrschte auf der Einsatzstelle eine ruhige Atmosphäre. Verschiedene Feuerwehren, die in der Form vorher nie zusammen getroffen sind, haben gut zusammen gearbeitet.

Auf diesem Wege bedankt sich der Einsatzleiter bei allen Beteiligten Einsatzkräften für den reibungslosen Ablauf des Einsatzes!

 

Einsatzinfo

 

Feuerwehr/en aus der Gemeinde Großenkneten


Weitere Feuerwehr/en im Einsatz

ABC-Zug Haarentor, Gerätewagen Atemschutz Ganderkesee, Gefahrgutzug Ganderkesee, ExxonMobil, Wardenburg, Wildeshausen
 

Eingesetzte Einsatzfahrzeuge Ahlhorn

 

Einsatzbilder

 

 

Hinweis

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